Berlinale 2017 – Unpünktlichkeit und Weltpremieren (Tag 2)

Nach einem sanften Einstieg (2 Filme an Tag 1 – mehr dazu hier) in unsere Berlinale 2017, standen am Freitag 5 Filme auf dem Programm. Aufregend auf der einen Seite, aber auch irgendwie Angst einflößend. (Nach wie vielen Filmen würde ich mir schon nicht mehr merken was ich gesehen hatte? Welches Koffein Minimumlevel brauche ich um diesen Tag zu überstehen? *dramatischemusik*)

Gerade noch rechtzeitig stürmten wir daher um 9:30 Uhr in den Friedrichstadt Palast um den 1. Film des Tages zu sehen: „Bamui haebyun-eoseo honja“ („On the Beachnat Night Alone“) von Hong Sangsoo.

Die Südkoreanische Schauspielerin Younghee (gespielt von Kim Minhee, die für ihre Darbietung den „Silbernen Bären in der Kategorie Beste Schauspielerin“ ergattern konnte) flieht nach einer Affäre mit einem verheirateten Mann nach Hamburg um sich selbst zu finden. In ausführlichen Dialogszenen versucht die junge Frau sich ihrer selbst und der Beziehung und ihren Gefühlen ihrer Affäre gegenüber klar zu werden.

„On the Beach at Night Alone“ verfolgt einen sehr einfachen Kamerastil. Szenen wirken teilweise amateurhaft, erinnern an Homevideos oder Erstlingswerke von Filmschulabgängern. Vor allem die Verwendung von Zoom und teilweise ruckartigen Schwenks sticht heraus.

Die Dialoge sind lang und ausführlich, teilweise skurril und eigen, was sowohl am Stil des Regisseurs als auch an der Kulturdifferenz liegen kann. Vor allem der sehr eigene Humor lässt den Zuschauer nicht nur einmal stutzig lachen. (Ich sage nur Fensterputzer.)

„Bamui haebyun-eoseo honja“ ist ein recht eigener Blick auf eine junge Frau, die, mit Hilfe sehr kurioser Figuren, versucht sich selbst und ihre Entscheidungen in der Liebe zu erklären.

 

Kurz den Saal verlassen, damit aufgeräumt werden kann, neuer Platz gesucht und weiter ging es mit Film No. 2: „Joaquim“

Die Brasilianisch-Portugiesische Produktion, erzählt die Geschichte des brasilianischen Nationalhelden Joaquim José da Silva Xavier. Der Film, ein gelungenes Spiel von fiktiven und wahren Episoden aus dem Leben des Mannes, fokussiert Joaquims Zeit als gefürchteter „Goldschmuggler-Jäger“. Er hat sich mit der Gefangennahme zahlreicher Rechtsbrecher einen Namen gemacht und erwartet seine Belohnung, mit der er seine Geliebte, eine schwarze Sklavin, freikaufen möchte. Doch es wird immer deutlicher wie korrupt die Kolonie ist und das Land und seine Leute ausnimmt. Nach und nach wird Joaquim klar, dass er sein Leben und seine Moral immer weniger miteinander vereinen kann.

Joaquim ein getriebener Mensch, der extreme. Perfekt dargestellt von Julio Machado, überzeugt der Film, neben großartiger schauspielerischer Leistung, vor allem durch seine Bildgewalt. Die Kameraeinstellungen inklusive Set Design sind der absolute Wahnsinn und eine Einstellung nach der anderen ein Kunstwerk für sich.

Ein großartiger Abenteuerfilm, der visuell beeindruckt und mit großartigen Schauspielern aufzeigt.

Schließlich ging es endlich in unseren geliebten Berlinale Palast. Es hat einfach etwas, in diesem großen Theater Filme zu sehen.

Auch wenn wir ein wenig zu spät waren und daher im 1. Rang Platz nehmen mussten (was überhaupt nichts macht, immerhin war die Sicht spitzenmäßig) stand der einzige Animationsfilm dieser Reise auf dem Programm. „Have a Nice Day“ (Hao ji le) aus China, erzählt die Geschichte einer Million Yuan, die, gestohlen von einem Bauunternehmer, zuerst einer jungen Chinesin nach einer misslungenen Gesichtsoperation, eine zweite Chance kaufen sollen, auf ihrer Reise durch verschiedenste Hände, Geschichten hervorgräbt und Menschen von ihrer schlimmsten Seite zeigt.

Großartig animiert, beeindruckte Liu Jian (Buch, Regie, Animation) mit Humor und Aktualität (sogar der momentane US Präsident kam stimmlich, zum Entsetzen des Publikums, im Film vor). Der Film wirkt teilweise als wäre er echt gedreht und dann einfach durch ein Comiczeichenprogramm gejagt worden, so akkurat kommen einem die Kameraeinstellungen vor.

Herrliche schwarze Komödie im Animationsformat.

Der wohl beeindruckendste Film des Tages folgte danach. Unser Berlinale Film No. 6 „Ana, mon amour“ erzählt die Geschichte von Ana und Toma, einem Paar in Rumänien.

Ana, auf Grund von einer schweren Kindheit, unter Panikattacken leidet, ist für Toma gleichzeitig faszinierend und schockierend. Die beiden verlaufen sich in einer Beziehung voller Träume, heiraten. Als Ana schwanger wird besucht sie eine Psychoanalyse und beginnt ihr Leben und damit auch ihre Beziehung zu Toma aufzuarbeiten.

Großartig strukturiert, behandelt der Film den Aufbau und Zerfall der Beziehung zwischen den beiden. Ein großartiges Drehbuch wird perfekt von den Schauspielern, allen voran Diana Cavallioti als Ana, umgesetzt. Leider konnte der Film keinen Bären für Schauspiel oder Drehbuch abräumen. Allerdings darf sich Cutterin Dana Bunescu über den Silbernen Bären für eine „Herausragende Künstlerische Leistung“ freuen.

Großes Charakter-Kino mit emotionalem Tiefgang, Herzschmerz und Selbsterkenntnis.

Es war ein Glücksgriff „Ana, mon amour“ im Berlinale Palast zu sehen. Nicht nur, dass es sich dabei um die 1. Weltpremiere des Tages handelte, sondern auch, weil dies bedeutete, dass wir zwar den Saal, nicht aber den Berlinale Palast selbst verlassen mussten. Häh? Was schreibt die da, für Zeug?

Ja, der letzte und wohl meist erwartete Film, in Sachen Hollywood, „Logan“ feierte an diesem Abend im Berlinale Palast Weltpremiere. Und wir, mussten zwar den Saal verlassen, waren damit aber die ersten die, beim Einlass wieder zurück in den Saal stürmen durften und dadurch in der 1. Reihe im 2. Rang saßen. Ich bin in solchen Sachen leider wirklich easy zu begeistern…aber ich meine wie oft darf man schon einen Film mit Hugh Jackman und Patrick Stewart…auf eine Art und Weise gemeinsam, schauen? Eben. Auf meinem Instagram Account könnt ihr erste Eindrücke gewinnen (gerne auch in die Insta Story schauen). Filmbericht zu „Logan“ gibt es aber erst am 01. März…eben pünktlich zum Kinostart in Österreich.

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