Berlinale 2017 – Vom Ankommen (Tag 1)

Endlich war es soweit. Nach einer eher unruhigen Nacht (vor Reisen bin ich a) immer super aufgeregt und b) nervös, dass ich verschlafen sollte und wache daher im Stundentakt auf) ging es um 4:30 Uhr im Stockdunkeln in Richtung Flughafen. Schnell einen Espresso getrunken und dann hieß es auch schon Boarding. Der Flug verging so schnell, ich kann mich gar nicht erinnern, was ich gemacht habe.

Nachdem wir via Taxi zu unserem Hotel gefahren sind hieß es erstmal Tickets holen. *hust* Also ging es ab in die Potsdamer Platz Arkaden. (Ja, Print@Home gibt’s natürlich auch, aber ich bin da halt sehr eigen und möchte die ECHTEN Berlinale Tickets.) Die nette Dame (überhaupt alle in Berlin sind super nett!) am Schalter war dann relativ baff als sie 30 Karten ausdrucken musste. (Ich muss schon zugeben, ein bisschen stolz bin ich schon auf die Tatsache, dass ich nicht ganz dicht bin ;) )

Nach einem kurzen Fotoshooting. (30 Kinotickets sieht man halt auch nicht jeden Tag – Ergebnis gibt es hier zu bestaunen.) hieß es dann auch schon ab zum 1. Film.

Viceroy’s House“, von Gurinder Chadha (Kick it Like Beckham, Liebe lieber Indisch), ist die Geschichte vom letzten Vizekönig Lord Mountbatten, seinem Versuch Indien in die Unabhängigkeit zu führen und den Unruhen zwischen Hindus, Muslimen und Sikhs die schlussendlich zur Teilung von Indien und Pakistan führten. Inspiriert durch historische Ereignisse und beeinflusst durch Verstrickungen Gurinder Chadhas eigener Familie, zeigt der Film was hinter den Türen des Viceroy’s House in Delhi vor sich ging. Neben Mountbatten, Nehru, Jinnah und Gandhi – deren politische Verhandlungen die Stimmung des Films bestimmen – rücken hierbei zwei Angestellte – Jeet, ein Hindu, und Aaila, eine Muslime – und deren verbotene Liebe in den Mittelpunkt.

Unterstrichen durch die wunderschöne Filmmusik von A. R. Rahman (Slumdog Millionaire, 127 Hours) schafft Gurinder Chadha einen fulminanten Eindruck von Indien auf die Leinwand zu zaubern. Die Kamera fängt jede Szene perfekt ein und involviert das Publikum von Anfang an. (Zweimal fängt die Musik sogar so an, als würde der Cast gleich in eine Bollywood Szene schlüpfen, aber wir sind hier bei der BBC – übrigens mittlerweile echt ein Garant für TOP Filme!)

Hugh Bonneville (Downtown Abbey) und Gillian Anderson (Akte X) scheinen sich kaum anzustrengen um ihren Charakteren Leben einzuhauchen. Aber auch der restliche Cast inklusive Manish Dayal (als Jeet) und Huma Quereshi (Aalia) verzaubern und nehmen einen mit auf eine Reise. Sicher, einige Stellen sind vorhersehbar, trotzdem schafft es der Film einen zu fesseln und emotional zu berühren. (Das plötzliche kramen nach Taschentüchern war im ganzen Kinosaal zu hören.)

Der Film beweist nicht nur seine historische Wichtigkeit, sondern regt auch zum Nachdenken an.

Ohne große Umschweife fuhren wir von Film No. 1, der diesjährigen Berlinale Reise zu Film No. 2: „Return to Montauk“. Auf diesen Film habe ich mich besonders auf Grund seiner Thematik, und weil ich Stellan Skarsgard als großartigen Schauspieler empfinde, gefreut.

Return to Montauk“ oder „Rückkehr nach Montauk“ erzählt die Geschichte von Max Zorn. Der 60jährige skandinavische Schriftsteller reist nach New York um sein neues Buch zu präsentieren. Dort erwartet ihn seine Frau Clara, die bei der Veröffentlichung seines Buches, ein Roman über das Scheitern einer vergangenen Liebe, tatkräftig mitgearbeitet hat. In New York wird Zorn an diese verlorene Liebe erinnert und prompt sucht er diese auf.

Regisseur Volker Schlöndorff widmet sich in diesem Projekt der Variation von glücklichen und schmerzhaften Erinnerungen.

Der Film zeigt einen essayhaften, dialogschweren Einblick in das Leben eines Mannes, der zwischen zwei Momenten lebt. Dem Moment des Vergangenen den man bereut getan zu haben und dem Moment den man nicht getan hat. Er selbst schwelgt hin und her zwischen Gegenwart und Vergangenheit oder doch der Zukunft? „Return to Montauk“ ist ein tiefer Film, der oft philosophische Züge annimmt. Er ist vielleicht keine perfekte Reflexion des Scheiterns und des Glücks, aber was ist schon perfekt?

In wunderbar, sanften Motiven versucht Schlöndorff die Figuren Szene um Szene mehr zusammen zu setzen. Trotz eines interessanten Drehbuchs gelingt es den Schauspielern jedoch oft nicht die Emotion des Textes auf die Leinwand zu bringen. Vor allem Nina Hoss wirkt textfixiert und dadurch eher emotionslos (Sollte dies eine bewusste Entscheidung der Schauspielerin gewesen sein, Hut ab. Es wirkt allerdings oft eher als lege es an der Sprachbarriere. In der Muttersprache zu spielen ist eben einfacher.)

Trotzdem ist „Return to Montauk“ ein interessanter Film der die Themen Liebe und Kunst, Leben und Vergangenheit auf eine faszinierende Art und Weise zusammenbringt.

Tag 1 der Berlinale Reise 2017 endet damit mit zwei sehr unterschiedlichen Filmen im Gepäck. Jetzt heißt es ausruhen, Füße hoch und lange schlaaaaafen!

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