Berlinale 2017 – Vom zwischendurch mal Pause machen (Tag 3)

2 Tage 7 Filme. Es war herrlich den Samstag neben „nur“ 2 Filmen hauptsächlich im Hotelzimmer zu verbringen und einfach mal zu entspannen, ein bisschen weniger zu tun, schlafen, sich ausrasten. (Gut, wirklich geschlafen habe ich eh nicht…die Biathlon Staffel war im Fernsehen und da habe ich mich ein bisschen reingesteigert – aber das viele Energie schicken hat ja was gebracht. Bronze für unsere Männer! Freude! Aber zurück zur Berlinale.)

Nach der späten Weltpremiere von Logan haben wir es erst um 2 Uhr ins Bett geschafft. No big deal, wäre am nächsten Morgen nicht schon um 9:30 Uhr der nächste Film auf dem Programm gestanden. Aber, wer „Filme schauen will muss leiden“ (oder wie war das noch einmal?“

Mit einem hastig heruntergeschlungenen Frühstück kämpften wir uns also zum wiederholten Mal durch das Berliner U-Bahnnetz und saßen pünktlich im Haus der Berliner Festspiele. „The Lost City of Z“ stand auf dem Programm.

Ich bin ja ein „Theme Girl“, sprich ich erkenne in allem und jeder Ähnlichkeit ein „Thema“ und irgendwie mag ich, wenn sich Dinge bewusst oder unbewusst miteinander verbinden. Charlie Hunnam hatte uns erst vor wenigen Stunden auf der großen Leinwand im Berlinale Palast als Bösewicht in „Logan“ unterhalten, da stand er schon wieder vor der Kamera.

Charlie verkörpert in „Lost City of Z“ den Abenteurer und Entdecker Percy Fawcett. Als Soldat im englischen Militär der 1920er Jahre, hat Percy große Ziele, ist er auf Grund seiner Herkunft, trotz herausragender Leistungen, benachteiligt. Mit Vermessungsarbeiten in Bolivien betraut, erhofft er sich Aufstiegschancen, nimmt den Auftrag an und kehrt fasziniert von Amazonien zurück. So fasziniert, dass er wenig später an einer weiteren Expedition teilnimmt und dafür sogar in Kauf nimmt, sich, durch Jahrelange Abwesenheit, von seiner Familie zu entfremden. Als er schließlich Überreste einer möglichen Zivilisation findet, beginnt er wie besessen dafür zu arbeiten die Theorie seiner „Versunkenen Stadt Z“ zu beweisen und reist mit seinem, mittlerweile erwachsenen Sohn los.

Basierend auf wahren Begebenheiten und inspiriert durch das Sachbuch von David Grann, erzählt Regisseur James Gray in einer bildgewaltigen Abenteuergeschichte vom Streben eines Mannes nach Veränderung im Hinblick auf andere Gesellschaften. Der großartige Cast rund um Charlie Hunnam, Robert Pattinson und Sienna Miller nimmt einen auf faszinierend, einfache Weise mit in eine andere Welt. Der Film ist wundervoll emotional, stark und bietet von Abenteuer bis zu innerfamiliären Konflikten und entfremdeten Vater-Sohn Beziehungen alles mit. Ein perfekt aufbereitetes Drehbuch sowie die wundervolle Filmmusik von Ulrich Reuter und Damian Scholl verzaubern.

Wunderbar unterhaltsam, ist „Lost City of Z“ ein absolutes Muss für Filminteressierte und alle die einmal gut unterhalten werden und etwas, zumindest auf der Leinwand, erleben wollen.

Den wohl bedrückendsten Film unserer Berlinale 2017 sahen wir an diesem Abend. Teresa Villaverdes „Colo“ erzählt die bedrückende Geschichte einer portugiesischen Familie in der Wirtschaftskrise. Der Vater arbeitslos, die Mutter durch zwei schlechtbezahlte Jobs komplett am Ende und die 17jährige Tochter, die mitten auf der Suche nach sich selbst steckt, müssen jeden Euro viermal umdrehen. Als ihnen schließlich auch noch der Strom abgedreht wird, scheint das Fiasko perfekt. Drei Menschen und ihre Art mit dieser tragischen Situation umzugehen.

„Colo“ ist bedrückend, deprimierend und sollte definitiv nicht auf schlechte Laune gesehen werden. Villaverde zeigt drei Menschen, die zu Beginn Familie, Halt und Gemeinschaft und durch Geld, oder mehr durch dessen nicht-vorhanden sein, im Überlebenskampf mehr und mehr auf sich selbst gestellt sind. Veränderungen treten ein und jeder flüchtet auf seine Art und Weise aus dieser schrecklichen Situation. So herzzerreißen die Geschichten, so real scheinen sie. Es ist eine Art Weckruf, ein Aufzeigen wie gut es denen geht, die noch genug Geld haben, die einen Job haben. Gleichzeitig hebt sie das Glück an den einfachen, den kleinen Dingen hervor.

Sehenswert, aber wie gesagt…Depression inklusive!

 

 

 

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