BODYGUARD – DAS MUSICAL in Wien

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Am 19. September war es für mich so weit. Dank meiner Freundin konnte ich mir eine der Previews des neuen Musicals THE BODYGUARD im Wiener Ronacher ansehen. Auch wenn es die Generalprobe war, und das Publikum vorgewarnt wurde, dass es erst der zweite komplette Durchlauf war (und sich über den Lauf der Previews sicher noch einiges ändern würde), gab es für mich schon jetzt einige Punkte die einen Erfolg für das Musical fragwürdig erscheinen lassen.

©Nilz Boehme
©Nilz Boehme

Wer die VBW und ihre Produktionen kennt musste über die letzten Jahre nicht selten den Kopf schütteln. Mal sind es fragwürdige Stücke, mal eine noch fragwürdigere Besetzung. Das ein Kulturunternehmen, welches im Jahr 2018 eine Förderung der Stadt Wien in Höhe von 39 Millionen Euro erhielt (Quelle: APA), daher oft laute Kritik hören muss, ist nicht sonderlich überraschend. Vor allem, wenn man noch einen kleinen Einblick in das Innenleben dieses…“Vereins“ erhält, fragt man sich manchmal wirklich.

Kein Wunder also, das nach dem Erfolgsmusical TANZ DER VAMPIRE die Ankündigung des Musicals BODYGUARD auf eher gemischte Reaktionen stieß. Wer bereits vorab recherchierte konnte herausfinden, dass Musical im Falle der Filmadaption sowieso eher übertrieben ist, gibt es sage und schreibe zwei Sänger in dem Stück. Wirklich singen nämlich nur Rachel (gespielt von Patricia Meeden) und Nicki Marron (gespielt von Ana Milva Gomes). Und das, auch wenn die Frage warum Ana Milva Gomes hier nicht die Hauptrolle übernommen hat aufkommt, gut.

Nein, gesanglich kann man, zumindest an diesen beiden nichts aussetzen. Auch Schauspielerisch geben Meeden und Gomes alles, was mit so einem Dialog zu geben ist. Die Tanznummern sind unterhaltsam, die Kostüme glitzern.

Tja und das war es leider schon wieder. Denn ansonsten hat BODYGUARD nicht viel zu bieten. Die schleppenden Dialoge, das aneinander reihen der Lieder und das spärliche Bühnenbild sind ja vielleicht noch mit zwei zugedrückten Augen zu verkraften. Das wirkliche Problem, was den Abend zu einem „zaaaaaachen“ Erlebnis inklusive Fremdschämen gemacht haben ist für mich Jack Farmer, der Bodyguard (gespielt von Jo Weil) selber. Wie der werte Herr diese Rolle bekommen hat (man kann es sich denken) ist fraglich. Natürlich erwartet man keinen Bodybuilder, aber zumindest jemand der das Körpergefühl eines BODYGUARDs ausstrahlt und nicht wie eine nach Futter suchende Krabbe von links nach rechts robbt während er versucht die „Masse“ von dem Megastar fernzuhalten. (Und Brust raus alleine macht einen noch nicht „größer“.) Auch der restliche Cast, die Männer, das Team um Rachel Marron ist irgendwie so unwichtig. Der versuchte Wortwitz kommt meist nicht an, was aber auch am Dialog liegt, der einfach…also…einfach nein ist.

©Nilz Boehme
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Wozu die VBW 39 Millionen Euro Förderung braucht ist, neben dem Füttern der oberen Etage und dem Ausgleich der Musicalflopps, dann auch in den Videoproduktionen zu sehen. Während die Einspieler des Stalkers (No Spoiler, der Typ steht auf dem Besetzungszettel und wird von Channing Tatum Verschnitt Maximilian A. Ortner gespielt.) noch etwas hergeben, ist es spätestens bei den 80er Jahre Soapopera Videos der Hauptdarsteller vorbei. (WARUM!?) Das reißt dann auch die grandiose Schlussnummer bzw. den Schlussapplaus nicht mehr heraus. Ja, es werden noch einmal die Klassiker rausgeholt und es kommt ein bisschen Stimmung ins Theater, aber das tröstet über das bereits Gesehene nicht hinweg.

Alles in allem war BODYGUARD für mich ein Reinfall. Natürlich war ich „nur“ bei der Generalprobe und wie bereits erwähnt kann und wird sich bis zur Premiere und der endgültigen Fassung noch einiges ändern. Das eine Auslastung wie in der letzten Saison mit TANZ DER VAMPIRE erreicht wird, kann ich mir aber nicht vorstellen. So sehr die Intendanz der VBW auch versucht die Musicallandschaft zu amerikanisieren. Da braucht es schon ein gutes Händchen um den Geschmack des Wiener Publikums zu treffen. Denn mit ELISABETH, MOZART oder TANZ DER VAMPIRE liegen die Ansprüche hoch und das zurecht!

BODYGUARD – Das Musical feiert am 27. September im Wiener Ronacher Premiere.

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