Die 89. Oscars – Das Fazit oder wie in La La Land die Sonne unterging

Niemand wird sich in den kommenden Jahren an die schleppende, fade und ereignislose Zeremonie der 89. Academy Awards erinnern. Trump Witze die nicht oder nur sehr schüchtern gemacht wurden, zaghafte Kommentare und Aussagen zur Vielseitigkeit der Filmindustrie und der Aufgabe, die man als Künstler hat. Niemand wird wirklich über die Tatsache sprechen, dass Mahershala Ali der 1. Muslime war, der die Statue für den besten Nebendarsteller mit nachhause nahm, oder Damien Chazelle, der mit 32 Jahren als jüngster Regisseur ausgezeichnet wurde. All diese Fakten werden in einer Tatsache untergehen: 2017 fand der größte Fuck up in der Oscargeschichte statt.

Es begann mit Faye Dunaway und Warren Beatty, Bonnie und Clyde der 60er Jahre. Zwei ältere Herrschaften, denen man das langwierige starren auf Telepromter und Umschlag als Eitelkeit die Lesebrille nicht mitzubringen hätte abtun können. Warum zögert er? Kann er nicht lesen? Erkennt er es nicht. Faye, ungeduldig wie alle Zuschauer spielt die Pause ihres Co-Stars mit einem schmunzelnden „Ach, du bist echt unmöglich.“ ab. Endlich wird der Gewinner verkündet. Wenig überraschend ist es LA LA LAND. Cast und Crew umarmen sich im Publikum, Standing Ovation von allen Anwesenden. Man strömt auf die Bühne um den Preis entgegenzunehmen. Dankesreden beginnen, als plötzlich ein Mann mit Headset auf die Bühne strömt, Umschlage angreift, zwischen den Anwesenden umherläuft. Es macht sich ein ungutes Gefühl breit. Was will der? Was macht er? Hat sich Beatty tatsächlich verlesen?
Plötzlich ein entmutigtes: „Wir haben übrigends nicht gewonnen.“ Man kann erkennen, das Oscar Statuen eingesammelt werden. Der Mann mit dem Headset greift nach einem der Umschläge. Große Verwirrung. Und dann die Sensation des Abends: „Nein, ich scherze nicht. Das ist kein Witz. Wir haben nicht gewonnen. Ich darf den Preis, mit großer Freude, an meine Kollegen von MOONLIGHT reichen.“ Fassungslosigkeit. Das gibt es doch nicht! Was!? LA LA LAND war der große Favorit. Ein guter Film und doch nicht von der Wichtigkeit und Kraft, die MOONLIGHT auf die Leinwand zaubert. Man ist sich vielerorts schon vor den Oscars einig: Das Musical wird gewinnen. Geschichtlichen Einfluss wird die in 3 Teile gespaltene Geschichte des schwarzen Jungen aus Liberty City, Florida haben, der neben einer Crack Mutter auch noch mit seiner Sexualität umzugehen lernen muss.

Die 89. Oscarverleihung wäre rasch in Vergessenheit geraten. Neben innerkollegialen Stichelein zwischen Jimmy Kimmel und Matt Damon (Ja, das Abspielen bei der Anmoderation war schon sehr witzig.), Süßigkeiten die man von der Decke gleiten ließ, sowie wenig überraschte-überraschte Touristen die mit einem „großen Auftritt“ als Gag hinhalten durften, waren die diesjährigend Oscars spannungslos, emotionalos und einfach fad. Die großen Überraschungen blieben, außer beim Editing für HACKSAW RIDGE, aus. Viola Davis lieferte eine emotionale Rede, während Casey Affleck seine, aus Nervosität und Erstaunen, versaute. Denzel war als Verlierer des Abends den Tränen nahe, Emma Stones Dankesrede klang auswendig gelernt. Keine großen Emotionen, kein lauter Aufschrei gegen Trump und alle die Dinge, die in den USA momentan ablaufen.

Es wäre ein ruhiger Abend gewesen, hätte man nicht die Umschläge vertauscht und LA LA LAND zum kürzesten Oscargewinner aller Zeiten gemacht.

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