DUNKIRK – Kriegsepos trifft Malick

Seit Monaten prangt der Trailer vor fast jedem Film und lenkt beinahe vom eigentlich Hauptfilm ab. Schon in den 90 Sekunden ist das Ausmaß des Films zu erkennen und DUNKIRK enttäuscht nicht. Ein Kriegsfilm der auf voller Länge überzeugt und nachdem man erstmal durchatmen muss, denn Nolan liefert ab.

Wer, wie ich, historisch nicht so bewandert ist, kennt die Geschichte der britischen Soldaten in Dunkirk vielleicht aus ATONEMENT. Zumindest war es dort, dass ich zum ersten Mal die verzweifelten Soldaten, die, fein säuberlich in Reih und Glied anstehend darauf warten von einem Strand im Norden Frankreichs gerettet zu werden, gesehen habe. Von den Deutschen eingekesselt sitzen die Männer fest. Und das obwohl in nur 41 Kilometern Luftlinie die sichere Heimat liegt.

Batman-Regisseur Christopher Nolan schuf mit seinem Film DUNKIRK wohl den Film des Jahres 2017. Vom ersten Bild an zieht er einen in seinen Bann. Die Bildsprache ist episch, begeisternd, beinahe poetisch und gleichzeitig die fast einzige Kommunikation die der Film dem Publikum bietet. Dialoge wurden zu einem Minimum reduziert, was einen als Seher nur noch intensiver in die Handlung, die auf drei Säulen aufgebaut ist, hineinzieht. Jeder Satz der gesprochen wird scheint auf die Waagschale gelegt worden zu sein. Kein Atemzug wird umsonst vergeudet.

Erzählt wird DUNKIRK anhand von 3 Handlungssträngen. Tommy, Gibson und Alex versuchen mit einem der wenigen Schiffe der Britischen Marine zu flüchten. Hobbysegler Dawson, sein Sohn Peter und dessen Freund George folgten einem Aufruf der Marine und segeln in Richtung Dunkirk um Soldaten mit ihrem kleinen Schiff zu retten. In der Luft versucht der Pilot Farrier die Schiffe und Soldaten vor den Angriffen der Deutschen zu schützen. Unter der Musik von Hans Zimmer (eine sich scheinbar über 107 Minuten aufbauende Komposition) geht es für alle 3 Geschichten im Endeffekt um eines: Überleben!

Großartig besetzt mit Schauspielern wie Cillian Murphy, Tom Hardy, Mark Rylance und, in seinem Debüt, Ex-One-Directioner Harry Styles schafft es der Film, nie in Kitsch auszuarten. Auch die Brutalität, die Gewalt der Situation findet mehr auf einer emotionalen Ebene statt und wird nie dazu benutzt das Publikum in seinem Ekel zu fangen. Nolan scheint alles mit dem Film richtig gemacht zu haben. Und auf eine Art und Weise hat er ein neues Genre geschaffen, denn DUNKIRK lässt sich mit nichts bisher dagewesenen vergleichen.

DUNKIRK ist ab dem 27. Juli in den österreichischen Kinos zu sehen und defintiv ein MUST-SEE!

 

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1 Kommentar

  1. Vorneweg muss ich zugeben kein sonderlich großer Fan von Nolan’s Stil zu sein. Dennoch respektiere ich seine Visionen und sein Werk.
    Trotz größtenteils überschwänglicher Kritik im Netz bin ich also mit ein wenig Bauchweh in DUNKIRK gegangen. Letzenendes habe ich das bekommen, was ich erwartet habe. Das Sounddesign ist fantastisch und geht durch Mark und Bein. Nicht selten sind meine Sitznachbarn im Kinosaal und ich bei einzelnen Gewehrschüssen zusammengezuckt. Der Score ist so, wie man ihn von Hans Zimmer erwartet. Groß, laut und in perfekter Symbiose mit der Erzählung. Wenn man ehrlich ist, ist der Plot eine stetige Wiederholung von rise und hit, so auch der Score. Musik schwillt an, es herrscht kurz Stille mit anschließenden Knall zum Höhepunkt. Das Ganze dann nochmal von vorne. Prinzipiell stört mich das nicht, ganz im Gegenteil, denn wie gesagt, es funktioniert sehr gut. Das Storytelling im Ganzen ist ebenfalls sehr schön. Es wird visuell und ökonomisch erzählt – definitiv ein Pluspunkt.

    Allerdings sind auch Nolan-typischen Schwächen zu erkennen. Es ist kein Geheimnis, dass er penibel nach selbstauferlegten Regeln und Formeln arbeitet. So gibt es beispielsweise bei jedem seiner Filme seit BATMAN BEGINS im letzten Akt Parallelmontagen zu laut aufspielender Musik, wo einzelne Handlungsstränge miteinander verweboben werden. Hier ist es allerdings auf 120 Minuten ausgedehnt und war für mich mitunter leider sehr mühsam.
    Mir ist durchaus bewusst, dass Kritiker und Freunde von Nolan eben dieses Element an seinen Filmen sehr schätzen, ich allerdings bin da meistens stinksauer, weil ich die Formel dahinter sehe. In erster Linie möchte ich in eine filmische Welt gezogen und verzaubert werden. Ich möchte mich noch Tage nach der Sichtung mit dem Gezeigten auseinandersetzen und mir das Hirn zermartern warum der Film so gut funktioniert. Bei Nolan habe ich das Gefühl, er möchte dass der Zuschauer sich klug fühlt und konstruiert seine Geschichte drumherum. Schade, leider ganz und gar nicht meins.
    Einen weiteren Kritikpunkt den ich äußern möchte, ist dass die schiere Größe dieser Mission niemals zu spüren war. Du hast ja ATONMENT erwähnt. Ich habe den Film vor kurzem wieder gesehen und kann versichern, in Reih und Glied steht dort niemand. Eher im Gegenteil, Joe Wright schafft es mir einer fünfminütigen Plansequenz Größe, Chaos, und Verzweiflung zu vermitteln. Im Bildhintergrund stehen Farzeuge und Häuser in Brand, Soldaten prügeln sich und ein Pferd wird niedergestreckt. Die Szene endet mit einer Halbtotalen, die zeigt dass gefühlt jeder Quadratzentimeter des Strands mit britischen Soldaten und Fahrzeugen zugepflastert ist.
    Hingegen spüre ich diese Beklemmung in DUNKIRK nicht. Es scheint mir so, dass nicht 300.000 Soldaten am Strand auf ihre Evakuierung warten, sondern viel eher 3.000. Die Verzweiflung eines der britischen Soldaten über das Meer in die Heimat schwimmen zu wollen konnte ich somit leider nur in der Theorie nachvollziehen.

    Allerdings bleibt festzuhalten, dass DUNKIRK ein Kinoerlebnis ist, wahrscheinlich sogar das beste des Jahres bisher. Besonders zwei Szenen werden mir lange in Erinnerung bleiben (Tom Hardy am Strand neben seiner Spitfire & der erste Bombenabwurf der Deutschen) Der beste Film des Jahres ist es allerdings nicht meiner Meinung nach. (Das wäre übrigens THE HANDMAIDEN)

    Ich entschuldige mich, sollte der Kommentar hier etwas zu ausschweifend gewesen sein. :)

    Liebe Grüße,
    Nenad

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