Herbst

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Die Therme springt an. Gleich wird es ein wenig angenehmer sein. Ich heize zum ersten Mal diesen Herbst ein. Es ist Anfang Oktober und eigentlich viel zu früh um einzuheizen. Aber ich friere.

Ich sitze, wie jeden Tag auf meiner Couch, in meine kuschelige Decke gehüllt, kurz davor einen Tee aufzusetzen. Ich liebe, dass endlich Herbst ist. Dicke Pullover, Kerzen, Tee, Suppen und Porridge. Auch wenn an so Tagen wie heute, an denen der Himmel grau herunterdrückt, die Stimmung nicht leicht zu heben ist, liebe ich den Herbst mehr als alle anderen Jahreszeiten. Wenn ich nur daran denke höre ich das Rascheln der Blätter, spüre die kalte Luft auf Nase und den Wangen und kuschle mich in Gedanken tiefer in meinen Schal hinein.

Der Herbst fühlt sich für mich immer ein bisschen wie ein neuer Schub an Motivation an. So, als wollte man die letzten Monate des Jahres noch nutzen um zufrieden auf das Jahr zurückblicken zu können. Außerdem schaffe ich im Herbst immer viel mehr, weil das schlechte Gewissen, dass man doch raus gehen sollte um das schöne Wetter zu genießen, verfliegt. Es fühlt sich richtig an sich einzumümmeln und drinnen zu bleiben.

Diese Woche kreisen meine Gedanken wieder sehr stark um mein Schreiben und den Traumjob der Schriftstellerin. Ich habe es vor wenigen Wochen gewagt ein erstes Kapitel an Verlage zu versenden. Auch wenn ich weiß, dass es lange Zeit dauern wird, dass sich, wenn überhaupt, jemand meldet, ist es eine Nervensache. MIttlerweile denke ich nicht mehr dauernd daran, trotzdem sitzten die Gedanken immer irgendwo im Hinterkopf. Und wenn ich einmal schwach werde drängen sie sich vor und fordern meine ganze Disziplin, denn es sind Selbstzweifel die da aus mir sprechen.

Auch wenn ich bereits Lob für mein Schreiben bekommen habe, ist die Angst komplett abgewiesen zu werden riesen groß. Und ich weiß, dass es nicht nur aufs Schreiben ankommt, wenn man versucht seine Idee, seine Geschichte, sein Buch einem Verlag schmackhaft zu machen. Passt das Buch in das Programm des Verlags? Passt es momentan ins Programm? Klingt es interessant? Hat es Potenzial? Wahrscheinlich spielt es sogar eine Rolle, wer diese Seiten zu lesen bekommt. Die Chancen genommen zu werden hängen also von so vielen Faktoren ab, die man nicht beeinflussen kann, dass man auch dann, wenn keine Antwort kommt (eine Absage gibt es nämlich nicht) eigentlich nicht aufgeben muss oder soll. Aber diese Gedanken sind da.

Ich kämpfe seit mindestens 8 Jahren mit dieser Geschichte. Wann genau ich das erste Mal angefangen habe die ersten Worte zu Papier zu bringen kann ich nicht mehr genau sagen. Vielleicht war es ein NaNoWriMo oder einfach so. Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich damals in New York war. Auf der Türe meines ZImmers hing eine selbstgemachte Karte, eine Liste mit ausgedachten Namen und vier Kronen hatte ich für die vier Königreiche gezeichnet. Und ich kann nicht zeichnen. Das, was heute auf dem Papier zu lesen ist, hat wenig bis gar nichts mit dem zu tun, was es damals war. Trotzdem hat mich diese Geschichte seit diesen 8 Jahren begleitet. Es gab Phasen in denen ich intensiv schrieb und dann wieder Phasen, in denen ich Monate, sogar Jahrelang nicht ein Wort abgetippt habe.

Elisabeth Gilbert schreibt in ihrem Buch THE BIG MAGIC etwas in der Richtung, dass Geschichten sich jemanden suchen durch dessen Augen sie erzählt werden wollen. Manchmal, wenn sie nicht genug Aufmerksamkeit bekommen ziehen sie weiter und suchen sich jemand anderen. Vielleicht klingt das für den ein oder anderen sehr esoterisch, aber mir gefällt diese Vorstellung. Und ich habe auch schon oft überlegt, diese erste Geschichte aufzugeben. Aber, auch wenn bereits eine zweite Geschichte (immer dann wenns grad ganz schwer ist No. 1 zu schreiben) um Aufmerksamkeit bettelt, habe ich es bis jetzt nicht geschafft loszulassen. Es geht einfach nicht. Ich habe mich einfach in diese Geschichte und ihre Figuren verliebt. Nicht weil ich glaube, dass sie so großartig und toll sind, sondern einfach weil ICH diese Geschichte erzählen möchte. Und zwar bis zum bitteren Ende. Ich möchte eines Tages: ENDE oder THE END darunter schreiben können und wissen, dass ich etwas vollendet habe. Egal ob das dann jemand liest oder nicht. Ich möchte wissen, dass ich eine Geschichte geschrieben habe. Mit Abenteuern und Liebe und Magie und Königreichen und einer toughen Heldin und einem ekeligen Bösewicht.

Der Traum dieses Megaprojekt eines Tages zu beenden, dieses ENDE darunterzusetzen bekommt durch den Herbst noch einmal Aufwind. Ich hoffe, dass der Herbst auch für euch eine so tolle Jahreszeit ist, wie für mich. Ich weiß, viele von euch sehnen sicher schon den nächsten Sommer herbei. Aber vielleicht hilft euch ja die Einstellung, dass dieser Herbst einlädt noch einmal alles zu geben, damit auch ihr zufrieden auf das Jahr 2018 zurückblicken könnt.

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