Jackie (2016) – Biopic einer First Lady

„Jobs“, „Capote“, „Lincoln“, „Amadeus“, „Ghandi“ – nur einige der vielen Biopics über Männer die unsere Geschichte geprägt haben. „Aber“, so sagt man, „hinter jedem Mann steht eine starke Frau.“ Umso passender daher, Jaqueline Kennedy in einer ebensolchen Verfilmung zu verewigen.

„Jackie“ porträtiert die wohl schlimmste Woche in Jaqueline Kennedys Leben. Nach dem Attentat an ihrem Ehemann, dem US Präsidenten John F. Kennedy, muss Jackie neben der eigenen Trauer, die des ganzen Landes und besonders ihrer Kinder schultern, ein Begräbnis planen und versuchen die viel zu kurze Amtszeit ihres Gatten bedeutsam in die Geschichtsbücher einzutragen. Durch ihre Stärke, Intelligenz und ihren Willen schafft sie in nur wenigen Tagen ein Land aus dem Schock zu holen und das Vermächtnis ihres Ehemannes unvergesslich zu machen. Anhand eines Interviews, inspiriert durch das Life-Magazine Interview, welches die First Lady damals führte, arbeitet Jackie die Geschehnisse auf und gewährt in ausgewählten Erinnerungsfragmenten einen Einblick in ihre Persönlichkeit.

„Mir gefällt der Gedanke, dass wir uns nie sicher sein werden, wie sie wirklich war. Ihre Aura, das Glitzern in ihren Augen werden wir nie kennenlernen. Wir können uns nur auf die Suche begeben. Das Ergebnis kann nur ein Film sein, der aus Fragmenten besteht. Aus Erinnerungsschnipseln. Assoziationen. Orten. Bildern. Menschen.” – Regisseur Pablo Larrain

Der chilenische Regisseur Pablo Larrain kreiert, durch seine Distanz zu dieser historischen Person, ein völlig eigenes Bild, einer so viel geliebten und verehrten Persönlichkeit wie der ehemaligen First Lady. Mutig, und durch die ausführlichen Recherchen des Drehbuchautors Noah Oppenheim gestützt, zeigt Larrain zwei Fassungen einer Frau, deren größte Frage, die nach dem eigenen sein ist. Gekonnt wird dabei Archivmaterial zwischen die gestellten Szenen eingewoben und verschmilzt in der fragmentierten Erzählweise nahtlos. Mit Hilfe der Kamera verstärkt Larrain bewusst die emotionale Ebene und lässt den Zuseher auf eine beinahe unangenehm intime Weise in das Leben einer Person spähen, die trotz ihrer Arbeit in der Öffentlichkeit ihre Privatsphäre schätzte.

Getragen wird der Film, neben der beinahe Filmschul-101-Verwendung der Kamera, von der unglaublichen Schauspielerischen Leistung von Natalie Portman. Zurecht für einen Oscar nominiert, schafft Portman eine innerlich zerrissene Person vor die Kamera zu bringen, die in ihrem wohl verletzbarsten Moment unglaubliche Stärke beweisen muss. Die Trennung zwischen der privaten und öffentlichen Jackie gelingt ihr dabei mit scheinbarer Leichtigkeit. Selbst Nuancen, wie der Akzent, den sich Portman hart erarbeitete, und der für den „nicht-Jackie Kenner“ anfänglich sehr gewöhnungsbedürftig klingen mag, wurde als Teilung genutzt. Die Schauspielerin schafft es, scheinbar ohne Anstrengungen, den gesamten Bildrahmen einzunehmen und ihre Mitspieler, ohne unhöflich zu sein, in den Hintergrund zu rücken.

„Don’t let it be forgot
That once there was a spot,
For one brief, shining moment
That was known as Camelot.“
(Aus dem Musical „Camelot“)

„Jackie“ ist ein unheimlich starkes Porträt, das auf filmischem Höchstniveau Natalie Portmans Talent und Können doppelt unterstreicht.

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