West Side Story (1961) – 70mm im Gartenbaukino

Es fasziniert mich immer wieder, dass ich, trotzdem ich mich als Filmfan und vor allem Filmliebhaber bezeichne, so viele der absoluten Klassiker noch nicht gesehen habe. (Ich sage nur „Der Pate II & III“ sowie Star Wars Episoden, und das sind nur ein paar.) Umso herrlicher ist der Luxus, ein Kino in Wien zu haben, das sich solcher tragischen Fälle wie mir annimmt und regelmäßig Filme zeigt, deren Wichtigkeit nicht nur das Filmliebhaberherz höherschlagen lässt. Das Gartenbaukino ist wirklich ein absolutes Muss für jeden Filmfan!

Den Plot hinter „West Side Story“ kannte ich, denn grob gesagt, ist es Romeo und Julia im New York der 50er Jahre, musikalisch unterlegt. Statt Capulet und Montague heißen die rivalisierenden „Familien“ Sharks und Jets und sind auf der einen Seite Puerto-Ricaner, und auf der anderen Amerikaner. Die Julia heißt Maria, der Romeo Tony. Oh Tony. * schmacht *

Lustigerweise habe ich mir vor wenigen Wochen am Wühltisch einer großen Buchhandlung, meine Weihnachtsgutscheine in DVDs verwandelt. Neben dem Director’s Cut von „Amadeus“ und „Jenseits von Afrika“ landete auch „West Side Story“ in meiner stetig wachsenden DVD Sammlung. Glücklicherweise hatte ich seither noch keine Zeit mich zu einem intensiven Marathon DVD Abend vor den Fernseher zu knotzen und die Einkäufe visuell abzuarbeiten. Gott sei DANK! Denn es ist schon etwas Besonderes einen Film in seiner Ursprungsform auf der großen Leinwand zu sehen.

Es ist wie eine Zeitreise. Ich versuche mir dann immer vorzustellen, wie es gewesen wäre, wenn ich 1961 ins Kino gegangen wäre um mir „West Side Story“ anzusehen. Wahrscheinlich hätte ich ein Kleid getragen, ein Petticoat darunter. Einen jungen, feschen Mann am Arm, der wohl mehr mit seiner Frisur,

als mit dem Film selbst beschäftigt gewesen wäre, denn eigentlich war er nur meine Begleitung. Filme interessierten ihn nicht so. Aber er wollte mir eben eine Freude machen…und vielleicht auch die Gunst der Dunkelheit nutzen, auch wenn er wusste, dass ich mein Zimmer zuhause mit Richard Beymer Fotos zugeklebt hatte. Oh Tony!

Ich weiß gar nicht was unrealistischer an dieser Vorstellung ist: Ich in einem Kleid oder in einer Beziehung.

Auch wenn ich kein riesiger Musical Fan bin, und mir die „off-beat-jazz-like“ Musik von Leonard Bernstein und Irvin Kostal nicht sonderlich zugesagt hat, war ich von „West Side Story“ begeistert. Die Farben, die Kostüme, Szenenbild und Ausstattung, die Kameraführung, die Regie. Ein visuelles Spektakel, dass durch die 70mm Fassung einfach nur noch mehr an Besonderheit gewann. Die kleinen Makel am Filmstreifen, die Lichtveränderung nach Schnitten von Wideshots zu Close ups, die Continuity Fehler. Für heutige Standards würde der Film sicher durchfallen, und doch sind es genau diese „Fehler“ die diesen Film so besonders machen. Die Fassung die das Gartenbaukino zeigt ist der einzige Abzug von der Originalkopie und reist daher nur mit ihrem Besitzer. Zu wissen, dass diese Fassung, die 1993 entstand, schon so vielen Menschen die Zeit vertrieben hat, sie unterhalten und leiden lassen hat, erhöht ihren Wert nur noch einmal. Und daran zu denken, dass dieser Film, der 1962 mit 10 Oscars ausgezeichnet wurde, noch heute gezeigt wird, berührt mein Filmliebhaberherz umso mehr.

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