Wilde Maus (2017) – Ein Regiedebüt

„Das Tragikomische ist für mich [dabei] die beste Abbildung dessen, was man Leben nennt.“

– Josef Hader

 

Ich versuche meine Filmliebe international zu halten, versuche aus den verschiedensten Ländern Filme, Schauspieler und Regisseure zu verfolgen. Wahrscheinlich ist dies auch der Grund warum zwei meiner absoluten Lieblingsfilme aus Dänemark kommen.

Ja, ich gebe mein bestes nicht nur dem amerikanischen Mainstream zu verfallen, und trotzdem tue ich mir gerade bei einer Filmgattung besonders schwer: dem österreichischen Film.

 

Der Österreichische Filmemacher neigt dazu dem Zuschauer die Eingeweide aus dem Bauchraum zu holen, Organ für Organ, gaaaaanz langsam. Als Österreicher würde man dazu wohl „grindig“ sagen…das deutsche „ekelhaft“ tut dieser Bezeichnung aber auf keinem Fall genüge.

Ich ging also mit einer gewissen Angst ins Kino, als das Regiedebüt von Kabarettist und Schauspieler Josef Hader auf dem Programm stand. Mit einem kleinen Bauchweh, gottseidank durch ein Magenknurren (ich hatte Hunger) übertönt. Oh wie gerne ich in solchen Situationen falsch liege.

 

„Wilde Maus“ ist ein großartiger Film über Midlife Crisis, Kommunikation bzw. deren Abwesenheit und der Freiheit, die man heutzutage in der Liebe genießen kann.

 

„Ich hab also etwas unösterreichisch versucht, eine entspannte Haltung zum Schönen und zum Hässlichen zu finden und einen Film zu machen, in dem beides vorkommen darf. Und ich wollte, dass die Zuschauer nicht in kühler Distanz dem Helden beim Scheitern zuschauen, sondern manchmal unangenehm nah dran sind.“ – Josef Hader

 

Georg (Josef Hader) ist etablierter Musikkritiker bei einer Wiener Zeitung. Als er auf Grund von Einsparungen gekündigt wird, bringt er es nicht übers Herz dieses Scheitern seiner Frau Johanna (Pia Hierzegger), einer Psychologin mit Kinderwunsch, zu gestehen. Zwei kommunikative Menschen, verweigern einander die Kommunikation und bringen dadurch die Tragödie ins Rollen.

Das Regiedebüt des Kabarettisten ist ein gelungenes Erstlingswerk voll Emotion, Tragik, Humor und der Farbe Gelb, in der Rolle als Neid. (Achtet mal darauf, echt gut zu erkennen.)

„Wilde Maus“ scheint der Mittelschicht (und ihren „Problemen“) sowohl einen Spiegel vorzuhalten, als auch ein eigenes Statement zu setzen. Die dezent überspitzte charakterisierung der Figuren ist großartig. Man erkennt in ihnen Freunde, Kollegen, Familie und sicher auch sich selbst wieder. Humor und Tragik lösen einander beinahe flüssig ab und zeigen das Können Haders als Autor.

Ein absolutes Maus…ähm…Muss!

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